Ein Kälbchen als Geschenk für Franzi Kampmann

Als Franziska Kampmann am Samstagabend mit großem Bahnhof auf dem heimischen Hof empfangen wird, ist alle Trauer verflogen. Aufrecht und strahlend geht sie durch das Ruder-Spalier, das die Vereinsjugend für sie aufgebaut hat. Und dann schließt sie der Vorsitzende Christian Ruhnau in die Arme – unter dem donnernden Applaus der mehr als 100 Gäste.

Ruhnau erinnert in seiner Ansprache nicht nur an das Drama vom letzten Mittwoch um 3.50 Uhr (MESZ), als die Familie und alle Ruderfans vor dem Fernseher die Daumen drückten, die Silbermedaille schon zum Greifen nah war und dann die widrigen Verhältnisse auf der Tokioer Regattabahn 200 Meter vor dem Ziel alle Hoffnungen zerstörten.

Nein, der Vorsitzende holte weit aus, erinnerte an Franzis erste Ruderschläge auf dem Datteln-Hamm-Kanal mit zwölf Jahren, an der Ehrgeiz und den Fleiß der Jugendruderin und die Goldmedaille des Ausnahmetalents bei der Junioren-WM 2016 in Rio de Janeiro. Und schließlich stellte er natürlich auch die Frage, ob die 24-Jährige denn nun wirklich ihre sportliche Karriere beenden wolle?

Leistungssport ist harte Arbeit für den Körper

Franziska, für ihre Ruhe und Geradlinigkeit bekannt, betonte, dass sie nicht mehr bis zu den nächsten Spielen in Paris weitermachen wolle – auch wenn es bis dahin „nur noch“ drei Jahre seien. „Ich war in den letzten zwei Jahren kaum zu Hause“, berichtete sie – obwohl sie die Familie zwischenzeitlich aufgrund einer Krankheit des Vaters dringend gebraucht hätte. Auch der körperliche Einsatz im Potsdamer Stützpunkt und in den zahlreichen Trainingslagern mit drei harten Ruder- und Hanteleinheiten täglich und der abendlichen Radfahrt „zum Relaxen“ sei alles andere als Kinderspiel.

Hinzu kam nun noch die psychische Belastung durch das ganze Corona-Procedere. „Nein, der Leistungssport ist jetzt Vergangenheit“, betonte sie. „Ich stehe nur noch für Ruderfahrten am Kanal zur Verfügung.“

Die Landwirtschaft ist Franzis Zukunft

Große Augen bekam Franzi, als sie das Geschenk erblickte, dass sich Papa Bernhard und der Verein für den keineswegs zu verachtenden fünften Platz bei Olympia ausgedacht hatten: ein kleines Jersey-Kälbchen.

Die Landwirtschaft ist nämlich Franzis Zukunft. „Ich will diese spezielle Rasse züchten, die besonders eiweiß- und fettreiche Milch produziert. Das gibt einen hervorragenden Käse!“ Und dann begann das verdiente Schulterklopfen der zahlreichen Gäste – von der Ruderjugend über Heimtrainer Andreas Erdtmann bis hin zum NRW-Verbandsvorsitzenden Wilhelm Hummels.

Auch Erich Holzinger von der Sparkasse Vest und Thomas Büker von der Volksbank, die als Sponsoren-Vertreter gekommen waren, zeigten sich beeindruckt: „Es ist schon toll, was der Waltroper Ruderverein so auf die Beine stellt…