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Neele Erdtmann hatte gestern alles gegeben: Als Steuerfrau des Juniorinnen-A-Achters versuchte sie, ihre Teamkolleginnen im Finale der EM nach vorne zu peitschen. Mit heiserer Stimme verriet sie gestern im Gespräch mit dieser Zeitung: „Im ersten Moment waren wir schon enttäuscht, dass wir nur Vierte wurden. Jetzt geht das Ergebnis aber schon in Ordnung.“

Im Achter komme es auf Teamwork an. „Dafür bin ich dann zuständig“, erzählt die 17-jährige Waltroperin. Die Basisarbeit dafür legte die Steuerfrau aber an Land. „Ich sehe zu, dass wir dann möglichst viel gemeinsam machen. Denn wenn es dort läuft, ist das gut für das Wasser“, weiß die Gymnasiastin.

Allerdings hatte die Besatzung dieses Boot nur ein Trainingswochenende in Hanau vergangene Woche, um sich aufeinander einzustellen. „Das war bei den favorisierten Booten ganz anders. Die fahren seit Monaten gemeinsam“, so Neele Erdtmann. Dennoch hatte sich das deutsche Team den Gewinn einer Medaille zum Ziel gesetzt.

Im Vorlauf lief es nicht gut. Die Rumäninnen waren zu schnell. Da blieb das Ziel der Deutschen nur, den zweiten Platz zu sichern.

Für den Hoffnungslauf galt es, ihn zu gewinnen, um mit einem guten Gefühl ins Finale zu kommen – was auch gelang.

Für den Endlauf hatten sich die Deutschen vorgenommen, gut zu starten und über die Strecke in Schwung zu kommen. „Unser Start war nicht schlecht, aber die anderen waren viel dynamischer“, hatte Neele Erdtmann von ihrer Steuerposition aus verfolgt. Sie muss stets in jeder Hand ein Lenkseil halten. Damit kann sie das gut 17 Meter lange Flaggschiff steuern. Nach dem Start geht das Team meist mit 20 Schlägen raus, ehe sogenannte Streckenschläge folgen.

„Oder ich kündige Druckzehner an. Das heißt, dass die Schlagzahl gleich bleibt, aber diese mit mehr Druck ausgeübt werden“, erläutert Neele Erdtmann, die in der Vergangenheit Steuer-Lehrgänge besuchte und sich für den Platz im Deutschland-Achter qualifizieren musste.

Die Waltroperin behielt gestern stets die Konkurrenz im Blick. „Nach 750 Metern habe ich den 15er angekündigt. Das bedeutet, dass die Schlagzahl erhöht wird“, schilderte Neele Erdtmann ihre Aufgaben im Boot. Sie hatte immer das Gefühl, dass ihr Team die Weißrussinnen noch packen könnte. Doch letztlich trennten beide Teams 43 hundertstel Sekunden. Es siegte Rumänien vor Tschechien.

Am Ende eines langen und aufregenden Regatta-Wochenendes blickt Neele Erdtmann sehr versöhnlich auf die EM zurück. „Es war schon etwas ganz Besonderes, bei solch einer internationalen Regatta dabei sein zu dürfen.“

Neele steuert zudem den 1. NRW-Achter. Ihr Ziel ist es, mit diesem Boot bei den Deutschen Meisterschaften vorne dabei zu sein, um sich dann als Steuerfrau für den WM-Achter zu qualifizieren. Die WM findet vom 2. bis 6. August im litauischen Trakai statt. Und ihre Teamkolleginnen können sich sicher sein: Sollte Neele auch dort steuern dürfen, wird sie wieder alles geben und am Ende ziemlich heiser sein…