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RIO DE JANEIRO. Wenn Ruderin Franziska Kampmann heute wieder in Waltrop eintrifft, hat sie die Goldmedaille im Gepäck. Bei der Junioren-WM in Rio de Janeiro hat sie besonders die riesige brasilianische Metropole beeindruckt.

Für Kampmann war es ja bereits die zweite Junioren-Weltmeisterschaft nach Hamburg im vergangenen Jahr – deswegen hat sie einen Vergleich. Von der Eröffnungsfeier in Brasilien sei sie zwar etwas enttäuscht gewesen, so die Weltmeisterin. In Hamburg sei diese wesentlich schöner gewesen – allerdings sei das Drumherum an der Regattastrecke, auf der auch die olympischen Wettbewerbe im kommenden Jahr stattfinden, schon faszinierend gewesen.

Aber im Zentrum stand natürlich der Sport, und dort gab es für die 18-Jährige nichts auszusetzen. „Das Rennen war gut, vom Start weg. Wir sind sehr aggressiv gefahren“, sagt sie zum Finale. „Als die Briten einen Krebs gefangen haben, da habe ich einen extra 10er-Spurt angesagt. Als wir dann weiter vorne waren, dachte ich: jetzt bloß nichts verkehrt machen.“

Und die vier deutschen Ruderinnen machten nichts verkehrt. So jubelte Franziska Kampmann in Rio, ihr Heimtrainer Andreas Erdtmann in Deutschland. Er verfolgte den Endlauf wie viele Daheimgebliebene im Internet, wo es zwar keine Live-Bilder gab, der Verlauf aber schematisch dargestellt wurde.

„Ich war total begeistert. Das war unheimlich souverän“, sagt Erdtmann, der im Vorfeld kleinere Bedenken hatte: „Im Vorlauf hatten die Mädchen sehr schnell angefangen“, erklärt Erdtmann. „Das kann sich nach hinten heraus rächen.“ Vor allem, wenn die Konkurrenz als stark eingeschätzt wird. Andreas Erdtmann hatte vor allem den späteren Silbermedaillengewinner Großbritannien auf der Rechnung. „Die Britinnen hatten zwei WM-Medaillengewinnerinnen aus dem letzten Jahr dabei und haben das Boot mit zwei weiteren Ruderinnen noch einmal verstärkt“, sagt er. Am Ende aber waren seine Befürchtungen hinfällig. „Die Mädchen haben das im Finale sehr intelligent gelöst und hatten relativ wenig Abfall. Das konnte man an den 500Meter-Zeiten gut sehen.“

Der Erfolg von Franziska Kampmann und ihrem Boot ist natürlich auch einer von Andreas Erdtmann und des Rudervereins Waltrop. Und er ist alles andere als selbstverständlich, auch wenn der RV schon so manchen Ruderer zu einer WM schickte und auch Athleten mit einer Goldmedaille zurückkamen. Zum Beispiel Sophia Wüllner 2011 mit dem Achter. Besonders sei, dass Franziska Kampmann sich in ihrem zweiten Jahr noch einmal gesteigert habe. „Es hat holprig angefangen, aber wir haben uns von Regatta zu Regatta gesteigert“, so Andreas Erdtmann.

11.08.2015, Waltroper Zeitung