Header Image

Als die 17-Jährige vor sechs Wochen aufbrach, um sich intensiv auf die Titelkämpfe in Hamburg vorzubereiten, ahnte noch niemand, was für eine gefühlsmäßige Achterbahnfahrt sie erwarten würde. Im Trainingslager in Berlin- Grünau lief zunächst alles nach Plan. Dann der Hexenschuss im Abschlusstraining. Sofort ging es nach Potsdam zu einem Orthopäden. „Der hat schnell gesagt, dass es nur eine Blockade sei, und hat das dann eingerenkt.“ Sicher, dass es reicht, um mit der Spitze mithalten zu können, waren sich Kampmann und ihre Partnerin Tina Christmann aber trotzdem nicht.

Der Vorlauf lief auch nicht so rund. „Wichtig war, dass ich schmerzfrei war. So konnten Tina und ich uns wieder voll auf die nächsten Rennen konzentrieren.“

Ihre Eltern Andrea und Bernhard Kampmann waren ständig auf dem Laufenden. „Als wir das mit dem Hexenschuss per Telefon erfahren haben, war das ein Schock. Ich dachte: Das war‘s dann wohl“, erzählt Vater Bernhard. „Doch dann ging es ja zum Glück bergauf. Und da hatte ich dann auch schnell im Hinterkopf, dass es Platz zwei werden könnte.“

Vater Bernhard war richtig nervös

Sein Gefühl sollte ihn nicht enttäuschen. Er und seine Frau hatten sich Karten für den Finaltag besorgt und fieberten von den Rängen aus mit. „Im Vorfeld war ich richtig nervös. Das hat sich dann aber beim Start wieder gelegt. 500 Meter vor dem Ziel sind alle aufgestanden. Wir auch, sonst hätte man ja nichts mehr gesehen. Die Tribüne hat richtig gebebt“, beschreibt Bernhard die Stimmung unter den größtenteils deutschen Zuschauern.

„Bloß festhalten und keinen Krebs fangen“ – diese Gedanken gingen Franziska während des Endlaufs durch den Kopf. „Dass wir eine Medaille holen, hatten wir zwar vorher gehofft, aber nicht geglaubt“, so Kampmann. Die amtierenden Europa- und Weltmeisterinnen aus Rumänien waren erwartet stark und nicht zu bezwingen. Dass Kampmann und Christmann dann aber die ebenfalls hochgehandelten Griechinnen und Italienerinnen hinter sich lassen würden, hatten sie vorher nicht unbedingt erwartet.

Wie anstrengend die letzten Wochen gewesen sein müssen, das hat Papa Bernhard seiner Franzi direkt angesehen. „An ihr ist ja gar nichts mehr dran.“ Gut, dass die Familie da vorgesorgt hat. Würstchen und Steaks brutzeln auf dem Grill. Die Gäste und auch Franziska greifen gerne zu. Wer WM-Silber gewinnt, der hat sich das auch redlich verdient.

12.08.2014, Waltroper Zeitung