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WALTROP/BERLIN. Der Alltag von Franziska Kampmann ist nicht der typische einer 17-Jährigen. Die Gymnasiastin hat einen Treckerführerschein, trainiert an sechs Tagen in der Woche und kann sich gut vorstellen, später einmal den elterlichen Hof mit Futterproduktion und Rinderhaltung zu übernehmen. Doch das ist Zukunftsmusik. In diesem Sommer liegt der Fokus der deutschen Spitzenruderin auf ihrem Sport.

Gestern begann für „Franzi“ die fünfwöchige Vorbereitung auf die Junioren-Weltmeisterschaften, die im August in Hamburg stattfinden. Die in Groppenbruch lebende Schülerin hatte sich durch exzellente Leistungen in dieser Saison direkt für das WMTeam qualifiziert.

Die drei Buchstaben „UWV“ stehen für intensive Wettkampfbetreuung. Gemeint ist die unmittelbare Wettkampfvorbereitung. Zu der reisten die infrage kommenden Athleten gestern aus ganz Deutschland nach Berlin- Grünau an.

Dass sie letztlich über einen Monat von zu Hause weg ist, stört Franzi nicht. „Ich bin kein Typ für Heimweh“, sagt sie.

Über die direkte Nominierung fürs WM-Team habe sie sich sehr gefreut. Jetzt geht es darum, aus dem Kreis der acht Teammitglieder die Bootsbesatzungen zu bilden. „Wir sind acht Ruderinnen. Der Einer wird von der Gewinnerin der Deutschen Meisterschaft, Melanie Göldner vom Ruder-Club Potsdam gefahren. Wer im Zweier sitzt, wer den den Vierer bildet und wer Ersatz ist, wird sich im Trainingslager zeigen“, erzählt Franziska.

Sie würde gerne im Zweier sitzen. Mit Tina Christmann, mit der sie vergangenen Sonntag in Brandenburg Deutsche Meisterin wurde. In Berlin wird anhand der aktuellen Leistung ausgewählt. Im Ergometer, im Messboot und bei den Stufentests muss dann alles passen.

Ihre Partnerin Tina Christmann aus Hanau kennt Franzi noch nicht lange. „Wir haben uns aber sofort gut verstanden. Wir haben viel Spaß zusammen, sind aber beide auf den Sport fokussiert.“ Eine gute Mischung.

Bodenständige DM-Gewinnerin

Trotz dieses sportlichen Erfolgs bleibt Franzi bodenständig. Sie hilft gerne auf dem Hof. Wenn es der Sport und die Schule zulassen, hilft sie beim Melken und Füttern der Bullen. Besonders freut sie sich auf den Moment, ihren Friesen Dacapo (7) zu satteln und im Süden Waltrops auf der Anlage Vedder zu reiten. Insgesamt fünf Pferde stehen auf dem Hof der Kampmanns.

Worüber sich nicht nur Franzi, sondern auch ihre Schwestern Theresa, Dorothea und Johanna freuen – die übrigens auch rudern.

Franzi freut sich, dass die WM in Hamburg stattfindet. „Das ist gut, weil dann meine Familie und Freunde dort gucken kommen können“, sagt die Schülerin der Jahrgangsstufe Q1, die im nächsten Jahr ihr Abi machen wird.

Wie das mit dem Leistungssport zu vereinbaren ist? „Ich hoffe, dass klappt so, wie ich es mir vorstelle“, sagt Franzi, die auch im kommenden Jahr noch bei den Junioren mitrudern darf.

Während die meisten erfolgreichen Waltroper Ruderer der letzten Jahre nach ihrer Junioren-Zeit aufhörten, hat Franzi andere Ziele. „Ich könnte mir schon vorstellen, auch im U23-Bereich weiter dabei zu bleiben.“ Was dann allerdings mit ihrem Ziel, nach dem Abi eine Ausbildung zu machen, kollidieren würde. Ein Studium wäre die Alternative.

Doch bevor es soweit ist, konzentriert sich die 17-Jährige nun ganz und gar auf die WM. Was sie sich für die Welt-Titelkämpfe vorgenommen hat? „Ich werde alles geben und dann gucken, was dabei herauskommt. Den Endlauf will ich auf jeden Fall erreichen.“

04.07.2014, Waltroper Zeitung